Bandsalat

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie meine alte Dame es gelernt hat ruhig und entspannt an der Leine zu gehen.

Sie macht es seit gefühlten fast 15 Lebensjahren.

Es ist so schön nicht über sie zu fallen, wenn sie die Seite vor meinen Füßen wechselt. Meine Schultern haben nie weh getan, nur weil sie abrupt stehen geblieben ist und ich weiter ging.

Ich wurde auch nie gefesselt!

 

Die Leine war unsere Verbindung von mir zu ihr und umgekehrt. Eine Nabelschnur über die alle Impulse von einem zum anderen gesendet wurden.

 

Heute hat dieser elektronische Datenverkehr ab und zu Aussetzer.

Die Verbindung ist vorrübergehend gestört. Schuld daran ist ihre altersbedingte Demenz.

“Wie, wir gehen weiter? Wer bist du? Wo bist du?

 

Das laufen mit einem alten Hund hat etwas ganz Besonderes.

Man könnte sich selber einmal zur Ruhe zwingen und dem Hund beim schnüffeln zusehen.

Stehen bleiben, die Zeit versuchen anzuhalten ,sie zu genießen…..aaaauuuuusatmen, eeeeiiiinnnatmen.

 

Ja und dann ist da Lilly.

 

Sie hat keine Zeit für ausatmen und einatmen, sie will gucken, wühlen, rennen ob mit oder ohne Leine und das auch ganz spontan. Ich erwähnte eben meine Schulter…

 

Schnell vorbei an der Oma.

 

Meist rennt sie außen an ihr vorbei.

Blöd dabei ist nur, dass auch ihre Leine außen an der Oma vorbei vorbeikommt, wenn sie sich nicht unter der Rute von der Oma einhaken würde.

 

Ruby steht ganz und gar nicht auf Stringtangas und schon gar nicht so plötzlich.

 

So ein Strick am Hintern ist doof und haut eine über 100 Jährige auch schon mal von den Beinen.

 

Ist die Leine dann irgendwie über ihren Schwanz und den Rücken gerutscht, bekommen ihre Ohren noch kurz Besuch.

Sie tut mir dann sehr leid und ich schäme mich für meine Unachtsamkeit.

 

Aber zu meiner schwachen Verteidigung:

man hört Lilly nicht, wenn sie im Tiefflug an dir vorbeihuscht. Ich sagte ja, da steckt „Katze“ mit drin.

Ich nehme also Lilly an die eine und Ruby an die andere Seite und denke das geht.

 

Nö.

Nicht ganz, nicht immer.

Ja,es wird besser, wenn wir drei alleine unterwegs sind.

 

Aber dann ist da noch zwischendruch Lotta mit am Start!

 

Ich fasse zusammen: eine alte Dame mit leichtem Hang zur Vergesslichkeit, ein Tiefflieger mit Interesse fürs außen und ein Kraftpaket im Körper eines Teenies.

 

Man stelle sich folgende Szene vor.

 

Alle möchten raus und einer tut das lauthals kund – Lotta.

Es stimmen mit ein – Oma Ruby (ich habe vergessen warum ich belle, aber ich mach mal mit).

Eine versteckt sich. Oh jeh, das Geschirr, gruselig.

 

Nachdem alle angezogen sind, ich noch mit offener Jacke, drei Leinen in der Hand zur Tür gehe, versucht sich der Teenie als erste durch die Tür zu quetschen. Dabei rempelt sie die Oma an, die brummt, Teenie in Panik. Lilly nutzt die Gelegenheit und huscht nach draußen, die Leinen haben sich verheddert, alle um meine Hand.

AUA!

 

Wir stehen vor der Tür, alle Leinen sind gespannt.

Ich genervt und muß noch die Tür abschließen, was mir aber nicht gelingt, da ich schon zu weit vonihr weggezogen wurde.

 

Alle Hunde wieder etwas zurück bitte.

 Lilly versteht nicht wieso es wieder rein gehen soll, Lotta hat schon wieder Sorge zu nah an Oberst Ruby vorbei zu müssen, Oma Ruby fragt sich was das Ganze soll (waren wir schon draußen?).

Ich schließe ab und versuche den Bandsalat und die Hunde zu sortieren und mir die Jacke zu zu machen.

 

Wir gehen los… anders ausgedrückt wir zeihen von dannen.

 

Lotta und Lilly vorne weg, Oma auf Schnüffelmodus, ich in der Mitte.

So müssen sich die Gefolterten im Mittelalter gefühlt haben, als man ihre Arme auseinandergezogen hat.

Mir platzt der Kragen: Alle zu mir, zurück auf Anfang.

 

Lotta bekommt den 1. Karabiner vorne vor die Brust und den 2. am Rückenring befestigt.

So hat sie gelernt nicht mehr zuziehen.

Lillys Leine wird kürzer und Ömchen bekommt etwas mehr Auslauf.

 

Wir starten erneut.

 

Jetzt geht es für eine ganz Weile recht gut, alle werden gelobt und achten auf mich. Na bitte, geht doch.

Wir bekommen Besuch von einem anderen Spaziergänger mit Hund.

 

Oma ist es egal, Lilly fängt an zu randalieren (den! kenn ich noch nicht) und Lotta, freundlich wie immer… lass mal gucken gehen!

 

Resultat: Bandsalat!

 

Das geht doch wirklich besser, oder?

Der andere Hundebesitzer geht kopfschüttelnd an uns vorbei. Wie gut, dass er mich nicht kennt.

Der nächste Passant steht an.

Aber jetzt.

 

Mädels, alle Augen auf mich, sitzen, gucken, warten, vorbeigehen lassen…Glückshormone durchströmen mich, juhu.

Zur Belohnung darf die Dampflok Lotta jetzt in den Freilauf, Oma Ruby ebenfalls auf Schnüffeltour, nur Lilly bleibt schön bei mir, damit wir uns nicht dumme Dinge angewöhnen.

 

So ein Spaziergang kann einen ganz schön Nerven kosten, aber wenn es dann klappt, fühlt man sich noch enger mit den Hunden verbunden, stimmt doch Ruby, oder?

 

Hä, kennen wir uns?

Ach, du bist es. (freu)

 

Ich freue mich auf ihre Nachricht

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